Tokio Hotel räumen vier Cometen ab

Oberhausen. Die großen Abräumer der Comet-Verleihung sind die vier Jungs von Tokio Hotel. Bill, Tom, Gustav und Georg haben den begehrten Musikpreis gleich vier Mal erhalten.

Kreischende Teenies säumen den Weg zur König-Pilsener-Arena in Oberhausen. Hunderte sind gekommen, um ihre Stars am roten Teppich vor der Comet-Verleihung einmal hautnah zu erleben. Die meisten, das verraten Fan-Shirts, Transparente und Poster, sind wegen Tokio Hotel da. Einige Mädchen sind sogar aus Süddeutschland angereist. Andere harren seit Tagen vor der Halle aus, um einen guten Platz zu ergattern. Schon beim ersten Auto, das an diesem Nachmittag anrollt, schreit die Menge hysterisch los.

Fehlalarm. Es sind nicht Tokio Hotel, die aussteigen. Es ist Alex C., nominiert in den Kategorien „Bester Künstler“ und „Bestes Lied“. „Du hast den schönsten Arsch der Welt“ heißt seine Single. „Über Ärsche schreiben und dann dafür nominiert werden, das ist schon was Großes“, stellt er am roten Teppich vor der Arena schmunzelnd fest. Und er hat sich offenbar schon intensiv mit dem Thema Hintern auseinandergesetzt: „Man muss sich in der Sonne damit sehen lassen können. Er darf nicht zu dick und nicht zu dünn sein." Er selbst arbeite dagegen „eher wenig“ an der Form seines Hinterteils, gesteht er.

Nachdem Alex C. den roten Teppich passiert hat, wird es ruhig. Die Promis lassen auf sich warten. Barbara Herzsprung, ehemalige Dschungelcamp-Teilnehmerin, springt in die Bresche. Sie setzt sich bereitwillig für die Fotografen in Pose und gibt den Kamerateams, die auf die Stars des Abends warten, Interviews.

Plötzlich betritt Udo Lindenberg den Teppich, und die Herzsprung ist vergessen. Der Sänger ist über den Hintereingang gekommen, läuft also quasi „rückwärts“ den Flor entlang. Er trägt bunte Motorradhandschuhe und raucht Zigarre. Typisch Lindenberg eben. „Die Menschen hier im Ruhrgebiet sind sehr temperamentvoll, das mag ich“, erzählt er.
"Comet ist ein ernstzunehmender deutscher Musikpreis“

Dann geht die Action richtig los. Während Lindenberg noch weiter geduldig Interviews gibt, wird das Gekreische stetig lauter. Aus dem nächsten Wagen steigen zwar immer noch nicht Tokio Hotel, aber immerhin die Teenie-Stars Wilson Gonzales und Jimi Blue Ochsenknecht. Letzterer ist als „Bester Newcomer“ nominiert. Kurz darauf kommt Aggro-Berlin Rapper Sido gleichzeitig mit der Casting-Band Monrose an. Während Sido Interviews gibt, knipst sein Kollege fleißig Fotos mit dem Handy. „Der Comet ist ein ernstzunehmender deutscher Musikpreis“, urteilt Sido, der inzwischen sein als Mundschutz fungierendes Tuch vom Gesicht genommen hat.

Als der Trubel sich ein wenig legt, hat Ross Anthony seinen großen Auftritt. Der Sänger, der zuletzt im Dschungelcamp für Schlagzeilen sorgte, albert mit den ausgeschiedenen Supermodels Sarah und Gina-Lisa herum und stellt sich für die Kameras in Pose.

Jetzt wird es ernst für die Fans. Von den Mädchen, die teilweise schon seit mehr als einer Woche vor der König-Pilsener-Arena ausharren, sind die meisten nur wegen den vier Magdeburger Jungs von Tokio Hotel gekommen. Sie haben gebastelte Poster dabei, halten kleine Geschenke in ihren Händen, haben sogar selbst gebackenen Kuchen als Präsent mitgebracht. Ihr Ziel: Die Teenie-Band nur für fünf Minuten live erleben.

Aus Gekreische wird ohrenbetäubender Lärm
Dann ist es soweit. Die extra aus Amerika eingeflogenen Jungs von Tokio Hotel steigen aus der Limousine mit den abgedunkelten Scheiben. Das Gekreische schwillt an zu ohrenbetäubendem Lärm. Nur wenige Fans können Autogramme ergattern oder ihre Geschenke überreichen. Trotzdem: Die Mädchen schreien euphorisch und können kaum fassen, die vier Jungs unmittelbar vor sich zu sehen. Doch für einige ist die Aufregung zu groß. Sie brechen zusammen, weinen bitterlich, als sie merken, dass sie nicht die erwartete Aufmerksamkeit bekommen. Die Sanitäter haben jede Menge zu tun. Nach wenigen Minuten sind Tokio Hotel dann auch schon bei der Presse. „Wir fühlen uns in Deutschland am wohlsten und freuen uns immer wieder, wenn wir hier sind und auftreten dürfen“, erzählt Bill.

Dann tritt die als „Bester Newcomer“ nominierte Teenie-Gothik-Band „Cinema Bizarre“ fast zeitgleich mit der in der selben Kategorie nominierten Band „Befour“ auf den Teppich. Castingshow-Gewinnerin Stefanie Heinzmann läuft dazwischen her und lässt sich von ihrer Managerin zu verschiedenen Reportern dirigieren. Ein Interview gibt sie sogar auf „Schwizerduitsch“. LaFee, als „Beste Künstlerin“ nominiert, fragt ihren Manager leicht genervt: „Kann ich jetzt endlich mal die Sonnenbrille aufsetzen?“ Sie darf. Dann gibt auch sie, für ihr junges Alter sehr professionell, die Antworten. Zum Schluss betritt Oliver Pocher den Teppich. „Bringt ihn heim“ steht in großen Buchstaben auf seinem Deutschland-Trikot. Pocher hat allerdings nicht viel Zeit für die Journalisten am roten Teppich, schließlich muss er heute die Preisverleihung moderieren.
Dankesreden und Jubelrufe

7.000 Gäste sind zur Comet-Verleihung nach Oberhausen gekommen. In der König-Pilsener-Arena führt Oliver Pocher gemeinsam mit den Viva-Moderatorn Collien, Gülcan, Klaas und Johanna sowie Bushido als VIP-Reporter durch das Programm.

Der erste glückliche Gewinner des Abends ist Rapper Bushido, der sich gegen Alex C., LaFee, Mark Medlock und sogar Herbert Grönemeyer durchsetzen konnte. In der Kategorie "Bester Künstler“ kann er die begehrte Trophäe mit nach Hause nehmen. „Ihr seid die Größten“, ruft er begeistert ins Publikum.

Monrose können sich mit ihrem Hit "Hot Summer" in der Kategorie "Bester Song" gegen „Hamma“ von Culcha Candela, „Prison Break Anthem“ von Azad & Adel, „Vom selben Stern“ von Ich & Ich und gegen „Du hast den schönsten Arsch der Welt“ von Alex C. behaupten. „Ein Dankeschön an alle, die an uns geglaubt haben“, freuen sich die Mädchen von Monrose über die Auszeichnung. Der Comet für den "Besten Newcomer" geht an DSDS-Superstar Mark Medlock, der erst kürzlich Madonna vom ersten Platz der Charts verdrängte.
Platin-Comet und „Star der Stars“

Die großen Gewinner der Verleihung sind allerdings Tokio Hotel. Die Band nimmt als erste Trophäe des Abends den Comet als „Bester Live-Act“ in Empfang. Später erhalten sie die Auszeichnung noch in den Kategorien „Beste Band“ und „Bestes Video“. Laudatoren zum „Besten Video“ sind Nevio und Stefanie Heinzmann. „Das ist der beste Preis der Welt. Andere Preise kann man nur irgendwo hinstellen, mit dem kann man sogar Fußball spielen“, erklärt Nevio. Im Anschluss an die Rede überreichen die Beiden den Preis an Tokio Hotel für ihr Video „An deiner Seite“. „Ihr seid so wahnsinnig. Der dritte Comet heute Abend“, ruft Bill. „Wir sind immer bei euch. Ihr habt heute bewiesen, dass ihr immer bei uns seid, uns immer unterstützt.“ Unter großem Gekreische und Jubelrufen lassen die Tennie-Rocker sich feiern. Und erneut brechen einige weibliche Fans im Publikum wieder in Tränen aus.

Der in diesem Jahr erstmals verliehene Platin-Comet geht an Udo Lindenberg, der mit dem Preis für seine Verdienste um die Musik in Deutschland ausgezeichnet wurde. Seit 40 Jahren steht der „Panikrocker“ mittlerweile auf der Bühne. „Er hat für uns die Tür aufgemacht für deutsche Musik“, lobt Laudator Jan Delay den „allerderbsten Styler“. Anschließen dürfen beide Künstler noch eine Weltpremiere feiern: Gemeinsam stehen sie mit dem Lied „Ganz anders“ auf der Bühne.

Doch nicht nur die Zuschauer durften im Vorfeld abstimmen, sondern auch die Musiker. Premiere: Sie können an diesem Abend ihren „Star der Stars“ aus allen Nominierten wählen. Nicht sonderlich überraschend entscheiden sie sich für den Solokünstler Herbert Grönemeyer, der bislang leer ausgegangen ist. „Er ist Mensch geblieben und engagiert sich für soziale Projekte“, begründen Culcha Candela ihre Wahl. Grönemeyer ist über die Auszeichnung von seinen Kollegen sichtlich gerührt: „Ich habe mich irre gefreut. Von einer Fachjury gewählt zu werden ehrt mich sehr."

Das Beste zum Schluss: Die Zuschauer können per Telefonabstimmung ihren Superstar des Abends bestimmen. Zur Wahl stehen die Gewinner Bushido, Tokio Hotel, Mark Medlock, Monrose und der Ehrenpreisträger Herbert Grönemeyer. Die Entscheidung ist eigentlich vorauszusehen: Tokio Hotel nehmen auch noch diesen Preis mit nach Hause. „Ich hab keine Ahnung, was ich noch sagen soll“, stellt Bill sprachlos fest. „Ihr seid die besten Fans der Welt.“

Quelle: derwesten.de
24.5.08 17:32
 


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